Scharfe Halbzeitjause.
Vom 11. Juni bis 19. Juli findet die Endrunde der Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA statt. Erstmals seit 28 Jahren konnte sich Österreich für das bedeutendste Sportereignis qualifizieren. Die Vorfreude im Probelokal ist groß.
Aller Widrigkeiten zum Trotz; denn diese Fußball-WM ist klimaschädlich, dient Trump als Bühne und ist von der FIFA so durchkommerzialisiert, dass es den Aficionado an den Rand der Verzweiflung treibt. Ich fürchte mich schon jetzt vor dem Einschreiten des VAR und unzähligen Werbeeinblendungen bei den 104 Spielen dieser völlig aufgeblähten WM. Man soll das verurteilen, kann den Fußball aber trotzdem lieben.
Allein schon, weil sich weite Teile einer Gesellschaft auf ein Ereignis verständigt. Das gelingt sonst höchstens noch dem Heiligen Abend. Fußball ist das verbliebene, gemeinsame „Lagerfeuer“ in Zeiten fortschreitender Individualisierung. Der Fokus liegt zur selben Zeit am selben Ort auf demselben Thema. Das wird vom 11. Juni bis 19. Juli wieder so sein. Herrlich.
Und wichtige Fußballspiele im TV verlangen eine angemessene kulinarische Begleitung. Und da es für Fans keine wichtigeren Spiele gibt, als die der anstehenden WM, ist der Hobbykoch in den kommenden Wochen gefordert.
Die Snacks sollten einfach vorzubereiten sein, einen gewissen kulinarischen Anspruch aber nicht unterschreiten. Handlich sollten sie sein und eine größere Anzahl Gäste sättigen. Außerdem ist tunlichst zu verhindern, dass die Couch nach dem Spiel aussieht, wie der Auswärtssektor eines Stadions.
Herausfordernde Anstoßzeiten
Als wäre das alles nicht kompliziert genug, verschärft auch noch die Zeitverschiebung die Situation: Gegen Jordanien spielt Österreich am 17. Juni um 6 Uhr MEZ, gegen Argentinien am 22. Juni um 19 Uhr und gegen Algerien am 28. Juni gar um 4 Uhr früh – diese originellen Anstoßzeiten drohen nicht nur den Biorhythmus völlig auseinander zu bringen, sie erfordern auch einen kulinarischen Kompromiss. Was schmeckt am Abend genauso gut wie in aller Herrgottsfrüh?

Es sind Empanadas, mexikanische Teigtaschen. Am liebsten esse ich sie mit einem Gurkensalat. Diese Kombination tröstet, wenn wir verlieren und unser Team als Gurkentruppe abstempeln. Und sie krönt den Freudentaumel, wenn wir endlich einmal Weltmeister werden. Und sei es – bedingt durch die ermüdenden Anstoßzeiten – wieder einmal nur im Traum.
Herzhafter Snack
Zuerst die Hefe in leicht angewärmter Milch auflösen. Mehl in einer Schüssel abwiegen, Hefemilch unter Rühren einlaufen lassen. Tomatenmark, Öl und eine kräftige Prise Chilipulver einrühren, abgedeckt gut eine Stunde ruhen lassen.
Für die Füllung gewürfelte Zwiebel und Hackfleisch in einer Pfanne in Öl scharf anbraten, gehackte Knoblauchzehe, Gewürze und Tomatenmark einrühren, mit wenig Zitronensaft abschmecken und abkühlen lassen. Statt Hackfleisch können Sie übrigens klein geschnittene Paprika und grünen Spargel anbraten.
Die fleischlose Version schmeckt mir mindestens so gut, die Kinder bevorzugen derzeit jedoch die Variante mit Hackfleisch. Die Phase des Hinterfragens von Fleischkonsum steht noch an, und die sollte jeder Mensch selbst durchmachen.
Gurke ohne Rahm
Rezepte für Gurkensalate gibt es viele. Viele schwören auf ein Rahmdressing, aber die Kombination aus Gurken und Milch überzeugt mich nicht. Die Cremigkeit lässt sich durch Verwendung der Sesampaste Tahin auf pikante und laktosefreie Weise erzielen.
Dazu die Gurken schälen, Kerngehäuse entfernen und in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In ein Sieb geben und salzen. Tahin mit gehacktem Knoblauch und Chili, Pfeffer, Kreuzkümmel sowie Öl und Zitronensaft im Verhältnis 2:1 gut verrühren. Mit den Gurken vermischen und mit fein geschnittener Frühlingszwiebel garnieren.

Nun bekommen wir die Empanadas gebacken: Vom Teig Stücke abreißen und auf einer mit Mehl bestreuten Fläche ausrollen. Kreise von etwa 8 cm ausstechen, mit verquirltem Ei bestreichen, einen Löffel Füllung auf den Kreis setzen. Zusammenklappen, mit einer Gabel die Ränder festdrücken und auf der Oberseite mit verquirltem Ei bestreichen. Bei 170°C Umluft auf einem mit Backpapier belegten Blech rund für die Dauer einer Halbzeitpause backen.
Der fragwürdige WM-Song
Alle vier Jahre blicke ich mit Spannung auf den offiziellen Song, der zu jeder Fußball-WM geschrieben wird: Wird er mich endlich einmal begeistern? Seit Gianna Nannini und Edoardo Bennato 1990 war das schließlich nicht mehr der Fall; und wird es wieder Shakira sein, die ihn singt?
Die Antworten stehen fest: Er begeistert mich diesmal nicht. Und ja, es ist natürlich wieder Shakira. Diesmal singt sie den WM-Song gemeinsam mit dem nigerianischen Künstler Burna Boy. Dai Dai wird uns demnächst öfter begegnen, als uns lieb ist. Vielleicht tritt ja ein Gewöhnungseffekt ein. Bis dahin höre ich mir lieber das Album „Night Light“ der White Lies an. Die Alternative-Rockband aus dem Westen Londons macht verlässlich coole Musik, wie sich auch in Songs wie Nothing On Me oder In The Middle zeigt.
Zutaten für 4 Fans auf der Couch:
Teig: 300 g Dinkelmehl, 130 ml Milch, 4 g Trockenhefe, ein Schuss Öl, 1 TL Tomatenmark, Chilipulver
Füllung: 300 g Rinderhackfleisch (alternativ klein gewürfelte Paprika, Spargel oder anderes Gemüse der Saison), 1 Zwiebel, 2 EL Tomatenmark, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Paprika, etwas Zitronensaft und Öl
Gurkensalat: 2 Salatgurken, 1 TL Tahin, 1 Knoblauchzehe, 1 Chilischote, Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, gemahlener Kreuzkümmel, 1 Frühlingszwiebel
Musiktipp:
Album „Night Light“ der White Lies aus dem Jahr 2025, Label Play It Again Sam






Die Fussball-WM ist mir eigebntlich völlig egal, das Rezept für die Empanadas ist einfach gut.
Danke Daniel
Franz