Dem Wasser entsprungen.
Angesichts der Hitze dieses Sommers konnte ich der elterlichen Aufsichtspflicht am Wasser etwas Positives abgewinnen. Schließlich musste ich den Kindern zuliebe unzählige Male auf der Wasserrutsche ins Tal donnern.
Dort fühlt es sich immer noch an, wie früher: Manche drängeln beim Anstehen, setzen Ellenbogen ein, ignorieren Ampelzeichen, fallen anderen in den Rücken, schreien herum, nehmen sich wichtig. Auf der Wasserrutsche ist es so, wie im richtigen Leben: Die Störenfriede geben sich Mühe, ruheliebende Zeitgenossen wie mich zu verdrießen. Aber sie schaffen es zum Glück nicht. Aus der Pflicht entwickelte sich bei mir sogar kindliche Freude. Am Ende wusste ich nicht, ob ich die Kinder zur Rutsche begleiten muss – oder sie mich.
Wie ein Fisch im Wasser
Doch jetzt, wenn die letzten Sommertage anbrechen, steige ich gerne wieder aus dem Wasser. So ging es auch den Fischen, die dem Bodensee-Fischer meines Vertrauens ins Netz gegangen sind. Er überreichte mir das Filet einer Schleie und einen Berg kleiner Barsche. Letztere schafften es dank der knusprigen Panade erst gar nicht bis auf den Tisch, die Kinder stibitzten mir die kleinen Eglifilets direkt vom Herd. From oil to mouth sozusagen.

Den anderen Fisch ließ die Jugend hingegen links liegen – die Schleie. Allein der Name dieses Fisches schien die Jugend abzuschrecken, vermutlich dachten sie an etwas Schleimiges, Modriges, vielleicht sogar an eine Blindschleiche. Dabei handelt es sich bei der Schleie um einen karpfenähnlichen Fisch, dessen lateinischer Name klingt, als handle es sich um den nächsten WM-Song von Shakira: Tinca Tinca. Ich verarbeite die Schleie mit viel reifem Gemüse zu einem Fischgulasch für Erwachsene.
Musikalische Neuentdeckungen
Das geht im Probelokal natürlich nicht, ohne vorher die richtige Platte aufzulegen. Gut, dass es derzeit wieder starke neue Alben herausragender Künstlerinnen und Bands gibt. Eine Quelle für Entdeckungen ist mir jeden Sommer das Lineup des Newport Folk Festivals. Seit 67 Jahren findet es jeden Sommer an der malerischen Atlantikküste von Rhode Island statt. Bob Dylan hat dort 1965 gewagt, erstmals mit E-Gitarre und Rockband aufzutreten. Die Aufregung unter den Folk-Fans war groß – darf er das? Der Meister durfte. Der Rest ist Musikgeschichte.
Beim Durchstöbern des Lineups ist mir vor zwei Jahren die Band „Goose“ aufgefallen. Sie klingt irgendwie nach einer dieser Workshop-Bands, die ich in den 90ern in der Musikschule jammen hörte. Vielleicht noch ein Stück sattelfester und weltläufiger. Gut, dass die Indie-Rocker aus Connecticut diesen Sommer ihr neues Album veröffentlicht haben. Manches klingt irgendwie vertraut: Bei Big Modern! denke ich unweigerlich an die Dire Straits, bei Savager an Genesis. Bei Media beeindruckt das Gitarrensolo und lässt mich locker-leicht mit der Fischgulasch-Zubereitung starten.

Gemüse und Gewürze zuerst
Zuerst das Öl erhitzen, kleingeschnittene Zwiebeln und Paprika bei mittlerer Temperatur langsam anrösten. Knoblauch, Kümmel, Paprikapulver, Majoran und eine erste kräftige Prise Salz einrühren, Temperatur erhöhen, mit Rotwein ablöschen und einkochen lassen. Gemüsefond eingießen und einige Minuten bei geringer Temperatur simmern lassen, den Gulasch-Ansatz schließlich mit dem Stabmixer pürieren.
Dann die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden, entweder in der Gulaschsauce oder separat in Salzwasser weichkochen (beides dauert rund 20 Minuten, wenn die Würfel nicht zu groß sind). Weiteres Gemüse zuputzen, in Stücke schneiden und in einer Pfanne in etwas Öl kräftig vorbraten, salzen und pfeffern. In eine Schüssel geben. Ich brate auch die gekochten Kartoffelstücke scharf an, mir kann das Gemüse kaum scharf und knusprig genug sein.

Fisch in Stücke schneiden, mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen, in etwas Butter kurz anbraten. Gulaschsauce mit abgeriebener Schale und etwas Saft der Zitrone, Salz, Pfeffer, Chili und geräuchertem Paprikapulver abschmecken, mit vorgebratenem Gemüse, Fisch und frischen Kräutern anrichten und mit Brot servieren.
Mit diesem nahrhaften Eintopf hält die Normalisierung des Speiseplans Einzug. Nach den Ferien-Auswüchsen mit Pommes und Eis wurde das auch höchste Zeit.

Zutaten:
500 g Bodensee-Fischfilet (Schleie, Karpfen oder Zander – je nach Fang), je 2 Zwiebeln, Knoblauchzehen und rote Paprika, 700 ml Gemüsefond, 200 ml Rotwein, je 1 TL Kümmel, Paprikapulver und Majoran, Salz, Pfeffer, Chili und geräuchertes Paprikapulver, 1/2 Zitrone, 700 g Gemüse (bei mir waren es Kartoffeln, Zucchini, Paprika und Lauch), Olivenöl und etwas Butter, frische Kräuter
Musiktipp:
Album „Big Modern!“ von Goose aus dem Jahr 2026, Label No Coincidence Records






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