Eine hochbrisante Mischung
für laue Sommerabende.

Aus weltpolitischer Sicht klingen die Zutaten diesmal hochbrisant: Ich mische nämlich türkischen Bulgur mit palästinensischem Olivenöl und marokkanischen Gewürzen. Dazu trinke ich eine Minz-Limonade israelischen Ursprungs und genieße den Wüsten-Blues. Und stelle fest, dass zumindest auf dem Teller trotz ordentlicher Schärfe Frieden herrscht.

Rehabilitierter Bulgur
Das Wort Bulgur schreckte mich jahrelang ab. Der vorgekochte Hartweizen klang nicht nach Genuss, dafür aber nach biederem Reformhaus. Doch das Motto des Probelokals lautet „Probieren geht über Studieren“. Und siehe da: Inzwischen rühre ich mir in jeder Sommerwoche einen ballaststoff- und vitaminreichen Bulgur-Salat, den die Türken „Kisir“ nennen. Meine Version habe ich auf die Geschmacksknospen eines Durchschnitts-Mitteleuropäers abgestimmt. Das schmeckt famos und ist eins, zwei, drei, fertig! Bir, iki, üc. Oder neuerdings auch: Zack, zack, zack.

Die Zutaten stehen bereit – fast wie in einer Kochshow.

Bulgur-Salat mit Sommergemüse und orientalischen Gewürzen
In einem hohen Topf erhitzen Sie einen kräftigen Schuss Olivenöl. Ich habe gerade eine feine Sorte aus fairem Handel zuhause, die von Kleinbauern in Palästina produziert wurde. Darin braten Sie zunächst das gehackte Gemüse an. Nehmen Sie, was der Garten oder der Gemüsehändler Ihres Vertrauens hergibt. Zwiebeln, Paprika, eine Chilischote und Knoblauch sind Pflicht, Fenchel, Zucchini oder Auberginen die Kür.

Nun würzen Sie kräftig – gemahlener Kreuzkümmel und geräuchertes Paprikapulver gehören in jedem Fall dazu. Der marokkanische Gewürzhändler meines Vertrauens hat mir unlängst sein selbst zusammen gestelltes „Harissa“ empfohlen, eine scharfe Gewürzmischung mit mehreren Zutaten aus den Gewürztöpfen eines orientalischen Basars. Ein Teelöffel davon kann nicht schaden.

Dann löschen Sie mit passierten Tomaten und Wasser ab. Wenn die Flüssigkeit aufkocht, rieseln Sie den Bulgur ein. Nun rühren Sie gut durch und lassen die Masse bei ganz niedriger Temperatur zugedeckt eine Viertelstunde ziehen. Inzwischen pressen Sie die Zitrone aus. Den Saft gießen Sie mitsamt des Olivenöls über den aufgequollenen Bulgur. Darüber kommen viel Salz, Pfeffer und die gehackten Kräuter. Dann rühren Sie kräftig durch. Das war’s auch schon. Nun kann der Bulgur im Kühlschrank durchziehen, bis Ihre Gäste kommen. Das kann ruhig Stunden dauern!

Schmeckt auch ganz ohne Schnick-Schnack: Ein Haufen Bulgur-Salat mit Sommergemüse.

Limonana mit Minze aus dem Garten
Zum kühlen Bulgur-Salat genieße ich eine noch kühlere hausgemachte Limonade. Sie kommt ganz ohne Alkohol aus. Damit daraus ja keine b’soffene Gschicht wird! Sie nennt sich in Israel „Limonana“. Es trifft sich gut, dass im Garten die Minze wuchert. Denn ein ganzes Bund davon wandert nun in den Mixer.

Zuerst aber lassen Sie das Wasser mit dem Rohrzucker, der abgeriebenen Schale einer Zitrone und einer Limette sowie dem Stück Ingwer in einem kleinen Topf aufkochen, bis sich der Zucker auflöst. Der Sirup darf nun durchziehen und auskühlen. Dann entfernen Sie den Ingwer und pressen den Saft der vorhin schon abgeriebenen Zitrusfrüchte dazu. Nun zupfen Sie eine Menge Minzblätter von den Zweigen in den Sirup. Die gesamte Mischung wird nun im Standmixer püriert und durch ein feines Sieb gegossen.

Eiskalte Minze auf israelische Art: Limonana.

Höre ich was? Ja – die Gäste sind im Anmarsch! Höchste Zeit, um anzurichten. Wahrscheinlich müssen Sie den Bulgur-Salat nochmals mit Öl, Zitrone und Salz abschmecken. Erstaunlich, was das Getreide aufgesogen hat. Der Salat darf nicht zu trocken sein, er muss saftig quietschen, wenn Sie ihn durchrühren. In letzter Sekunde hebe ich gerne noch ein paar in Würfel geschnittene Tomaten darunter. Die Limonana-Basis gießen Sie mit viel kaltem Mineralwasser auf, ein paar Limettenscheiben und Eiswürfel machen sich noch gut.

Gleich wird serviert. Dazu läuft der Wüsten-Blues.

Wüsten-Blues
Dann lege ich mir das Album „Elwan“ von Tinariwen auf. Die Band mischt traditionellen Sound der Tuareg mit westlicher Pop- und Rockmusik. Der Fernsehsender Arte nannte sie einmal die „Rolling Stones“ der Sahara. Ein wohl unvermeidlicher Vergleich. „Elwan“ wurde 2017 übrigens für das beste Weltmusik-Album bei den Grammys nominiert, was sicher an Titeln wie Sastanàqqàm liegt.

Untermalt von diesem Wüsten-Blues genieße ich auf der Terrasse meines westösterreichischen Schlaraffenlandes den lauen Sommerabend. Und hoffe, dass der nahe Osten, diese umstrittene Ecke dieser Welt, endlich einmal zur Ruhe kommt. Nicht nur auf dem Teller und im Glas. Da passt schon jetzt alles wunderbar zusammen.

Zutaten für 4 hungrige und durstige Personen:
Bulgur-Salat: Zwei große Tassen Bulgur (rund 400 Gramm) und die 2,5fache Menge Flüssigkeit: Zwei Tassen passierte Tomaten und drei Tassen Wasser; 2 Frühlingszwiebeln, 1 Paprika, 1 frische Chilischote, 1 Knoblauchzehe, (je nach Vorrat auch gehackte Zucchini, Fenchel oder Aubergine), 1 TL gemahlener Kreuzkümmel, 1 TL (wenn möglich geräuchertes) Paprikapulver, weitere Gewürze nach Geschmack (ich nehme immer noch 1 TL Harissa vom marokkanischen Gewürzhändler), 1 Zitrone, 50 ML Olivenöl, ein paar gehackte Gartenkräuter (Oregano, Schnittlauch, Petersilie), Salz und Pfeffer   

Limonana: 300 ML Wasser, 40 g Rohrzucker, 1 Bio-Zitrone, 2 Bio-Limetten, 1 daumengroßes Stück Ingwer, 10 Minz-Zweige (ich zupfte kürzlich 60 einzelne Minzblätter in die Mischung), 1,5 Liter Mineralwasser

Musiktipp: Album „Elwan“ der Band „Tinariwen“ aus dem Jahr 2017, Label ANTI Records, www.tinariwen.com

Post Author: Dan

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