Berge voller Schnee.

Schneeberge im Tal sind längst so selten, wie ermutigende Nachrichten aus der Weltpolitik. Dabei hätte ich beides gerne: Winter vor der Haustüre, mit verschneiten Straßen, dezentem Schnee-Chaos und rodelnden Kindern. Und ein selbstbewusstes Europa, das den Trumps und Putins genauso entschlossen gegenübertritt, wie ihren Bewunderern hierzulande, den falschen Patrioten, Wutbürgern und Schlechtrednern.

Wenn sich der Handlungsspielraum angesichts der großen Themen gerade klein anfühlt, dann hilft es, ins Tun zu kommen. Und sei es nur, sich eine Platte aufzulegen, in die Küche zu stellen und seinen Lieben eine winterliche Tarte zu backen. Das erfordert diesmal etwas Muße und Zeit, die aber sinnvoll investiert ist.

Die kleinen Patisserie-Kunstwerke können mit allen erdenklichen Zitrusfrüchten zubereitet werden: Zitronen, Limetten oder Grapefruits. Mir sind kürzlich aromatische Blutorangen ins Netz gegangen. Gekrönt wird die Tarte von cremigen Meringue-Bergen, die den fehlenden Schnee im Tal fast vergessen lassen.

Auf diese Schneeberge dürfen Sie sich freuen.

Am Anfang war das Kneten
Für die Tarte-Böden verarbeite ich zunächst alle Zutaten mit dem Knethaken der Küchenmaschine rasch zu einem Teig. Den wickle ich ihn in Folie ein und stelle ihn kühl, gerne auch über Nacht. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche wird er schließlich 2-3 Millimeter dick ausgerollt.

Dann kleide ich die dünn mit Butter ausgestrichenen Förmchen mit dem Teig aus. Wenn es draußen kalt ist, stelle ich diese nochmals für ein paar Minuten vor die Tür. Nachdem ich den Backofen auf 150°C vorgeheizt habe, schiebe ich die kühlen Förmchen für rund 12 Minuten in den Ofen.

Währenddessen bereite ich die Mandelcrème zu: Dazu rühre ich alle Zutaten cremig, streiche sie auf die vorgebackenen Böden und schiebe sie ein weiteres Mal in den Ofen. Diesmal für 5 Minuten bei 180°C. Danach dürfen sie auskühlen.

Hier wartet schon die Meringue-Masse, um die Tartes zu krönen.

Auf die Füllung kommt es an
Für die Blutorangencrème weiche ich die Gelatine in kaltem Wasser ein. Eine Blutorange wasche ich vor dem Auspressen gut, dann reibe ich die Schale ab. Dann verrühre ich den ausgepressten Blutorangen- und Zitronensaft mit der geriebenen Schale, den Zucker und den Eiern mit dem Schneebesen.

Unter kräftigem Rühren koche ich die Mischung kurz auf, stelle sie zur Seite und rühre Butter und Gelatine ein. Mit dem Pürierstab mixe ich das Ganze zu einer homogenen Masse, die ich in auf die Mandelcrème in die Tartes gießen und ein paar Stunden kühlstelle. Sie können den Teig nun vorsichtig von den Förmchen lösen. Damit ist der Großteil erledigt.

Schnee zur Krönung
Der letzte Schritt hat etwas Besonderes – denn zur Krönung geht es an die Schnee-Erzeugung. Und nein, man fühlt sich dabei weder wie Frau Holle, noch wie eine Schneekanone. Sondern fast wie ein richtiger Patissier, der seine Kunstwerke veredelt.

Dazu erhitze ich den Zucker und das Wasser in einem Topf auf möglichst genau 120°C – das geht am besten mit Hilfe eines Zuckerthermometers, den ich kürzlich im Haushaltsgeschäft erstanden habe. Erstaunlich, wie lange das dauert – planen Sie einige Minuten dafür ein.

Kurz, bevor die gewünschte Temperatur erreicht ist – so etwa bei 115°C –, gieße ich das gekühlte Eiweiß in den Rührkessel einer Küchenmaschine und schlage es steif. Dann wird es richtig spannend: Ich gieße den heißen Sirup langsam in den Rührkessel und schlage unverdrossen weiter, bis die Masse nach einigen Minuten abkühlt. Letztlich ziehe ich die abgeriebene Orangenschale unter.

Wenn die Meringue-Masse aufgespritzt ist, kommen die Tartes nochmals kurz in den Ofen.

Zum Hineinliegen
Die nun entstandene Meringue-Masse ist unfassbar crèmig. Und sie glitzert bezaubernd. Man möchte sich hineinlegen! Mit einem möglichst geräumigen Spritzbeutel dressiere ich die Masse auf die Blutorangen-Masse der Tartes. Darüber lasse ich noch etwas Staubzucker rieseln. Schnee ohne Ende!

Dann schiebe ich das Gebäck für ein letztes Mal in den Ofen, damit die Schneemasse etwas anzieht und leicht bräunt. Bei hohen 220°C ist das in 2-3 Minuten erledigt. Also bitte nicht vom Backofen entfernen oder in ein Gespräch verwickeln lassen, sonst platzt der Traum vom Schnee beim letzten Arbeitsschritt. Ich habe die Tartes kürzlich noch mit etwas Orangenschale und Pistazienstücken bestreut, um sie feierlich zu servieren.

Nach 2-3 Minuten bei großer Hitze werden die Schneespitzen fest.

Indie from Austria
Dazu legte ich die neue Platte von „Naked Lunch“ auf. Die Band um Oliver Welter ist für mich eine Säule der österreichischen Indie-Musik. Zwölf Jahre nach der letzten Album-Veröffentlichung hat der gebürtige Klagenfurter unlängst die Platte „Lights And a Slight Taste Of Death“ herausgebracht. Sie vertont mir mindestens diesen Februar, etwa mit dem wunderbaren To All And Everything I Love.

Zutaten für etwa 6 mittelgroße oder 2 größere Tarte-Formen:
Tarte-Böden: 150 g weiche Butter, 100 g Staubzucker, 1 Ei (Gr. M), Prise Salz, 30 g Mandelmehl, 280 g Mehl (Typ 700)

Mandelcrème: je 125 g Zucker, Mandelmehl und weiche Butter, 2 Eier (Gr. M)

Blutorangencrème: 100 g frisch gepresster Blutorangen- und 50 g Zitronensaft, 150 g Zucker, 250 g Butter, 4 Eier (Gr. M), 5 Bl. Gelatine

Meringue: 130 g Eiweiß, 100 ml Wasser, 260 g Zucker, abgeriebene Schale einer Blutorange, etwas Staubzucker

Musiktipp:
Album „Lights And a Slight Taste Of Death“ von Naked Lunch aus dem Jahr 2025, Tapete Records

Post Author: Dan

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