Cookies akzeptieren?
Ja – an Weihnachten schon!

Es ist wohl die meist gestellte Frage des zu Ende gehenden Jahres: Cookies akzeptieren? Die Frage geht mir auf den Keks. Genauso, wie übertriebene Vorweihnachts-Hektik. Beidem kommt man nicht so einfach aus. Mitten im Advent habe ich herausgefunden, was dagegen hilft: Das langmütige Backen knuspriger Weihnachts-Cookies New Yorker Provenienz. Doch Vorsicht: Bei zu langer Betrachtung können diese psychedelisch wirken.  

Zugegeben, das Probelokal ist nicht für Keksbackkunst bekannt. Im Gegensatz zu unzähligen Menschen, die ihre vorweihnachtlichen Meisterwerke auf Instagram zur Schau stellen, bin ich nicht in der Lage, haufenweise makellose, filigrane Kekse zu backen, deren Zuckerguss noch akkurater gezogen ist, als die Augenbrauen von Kim Kardashian.

Ich bin froh, wenn ich wenigstens eine oder zwei Sorten Kekse zustande bringe. Dabei realisiere ich – durchaus unfreiwillig – traditionell eher die rustikalen Varianten; sie fallen trotz gegenteiliger Bemühungen stets eine Spur zu groß und zu unförmig aus. Damit trotz einer gewissen Grobschlächtigkeit ein wenig Originalität im Keks steckt, habe ich aus einem New Yorker Weihnachts-Kochbuch eine ganz besondere Sorte Cookies ausgegraben. Und sie so verändert, dass sie mir ins Gesicht passen. Beziehungsweise in den Mund. Gerade noch.

Am Ende hat es sogar ein wenig Staubzucker auf den Keksteller geschneit.

Vielleicht geht Ihnen derzeit ja auch so manches auf den Keks: Die kitschigen Punschhütten auf den Stadtplätzen, Whams „Last Christmas“, der Coca-Cola-Weihnachtsmann oder die Medienpräsenz des ehemaligen Vizekanzlers, der fleischgewordenen bsoffenen Gschicht. Vielleicht der Personenkult um die Donalds oder Gretas dieser Welt, die Bedeutungslosigkeit der Sozialdemokratie oder die endlosen Koalitionsverhandlungen. Haben wir denn wirklich gewählt, um stets von weiten Wegen, Kontroversen und großen Unterschieden erzählt zu bekommen? Oder vielleicht doch eher, damit sich Parteien zusammen raufen, auf Gemeinsames besinnen und gute Kompromisse suchen?

Wenn Ihnen das alles auf den Keks geht, dann sollten sie ebensolchen einfach backen. Das ist gar nicht schwer: Die Butter wird ein paar Stunden vor dem Keksebacken aus dem Kühlschrank genommen – sie soll auf natürliche Weise weich werden. In einem Rührkessel wird sie danach mit den Mixstäben cremig gerührt. Zunächst den Staubzucker dazugeben, dann das gesiebte Mehl und das Salz. Alle Zutaten gut einrühren. Die Hälfte des Teiges, der evtl. noch bröselig ist von den Mixstäben, geben Sie in eine zweite Rührschüssel. Zur zweiten Hälfte kommen der Kakao und ein paar Tropfen Orangenöl oder die die abgeriebene Schale einer halben Bio-Orange. Zur ersten Hälfte den Vanillezucker.

Der einzige knifflige Moment der Cookie-Bäckerei – die zweifarbigen Teigplatten werden übereinander gelegt.

Wie kommt die Spirale in den Keks?
Die beiden Teige werden jeweils zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie ausgerollt – es sollte in etwa eine rund 30 Zentimeter lange Teigplatte entstehen, die Breite soll ca. 15 Zentimeter ausmachen. Auf die dunkle Teigplatte pinseln Sie das Eigelb, das Sie mit der Milch gut verquirlt haben. Mit Hilfe der darunter liegenden Folie heben Sie den hellen Teig auf den dunklen. Nun rollen Sie die beiden über einander liegenden Teige zusammen. Damit Sie den Teig besser schneiden können, wickeln Sie ihn ein und legen Sie ihn für eine gute halbe Stunde in den Tiefkühler.

Die gerollten Teigplatten werden in dünne Scheiben geschnitten und aufs Blech gelegt.

Effekthascherei
Dann heizen Sie den Backofen auf 160 Grad Heißluft vor, belegen zwei Bleche mit Backpaper und legen die zuvor in ca. 4-5 Millimeter dick geschnittenen Spiral-Kekse darauf. Was für ein Effekt da entstanden ist! Die Cookies kommen nun für 10 bis 15 Minuten in den Ofen – achten Sie auf den Bräunungsgrad. Ich mag es eine Spur zu dunkel und knusprig.

Die fertigen Kekse dürfen nun auskühlen. Ihre kleinen Kunstwerke werden bei Ihren Adventsbesuchern, seien es der Nikolaus, Knecht Ruprecht oder motivierte Christbaum-Lobhudler, mächtig Eindruck schinden. Doch Vorsicht: Es gibt Gerüchte, wonach das zu lange Betrachten der spiraligen Kekse psychedelische Wirkung erzielt.

Vorsicht: Wenn Sie Ihre Kekse zu lange betrachten, könnte Ihnen schwindlig werden.

Vielleicht hat Shane MacGowan ja gar nichts getrunken, sondern statt ins Glas zu lange auf diese Weihnachtscookies geblickt, als er das beste alternative Weihnachtslied aller Zeiten schrieb? Jedes Jahr sei daran erinnert, dass die Vorweihnachtszeit für mich erst beginnt, wenn die Anfangstöne des „Fairytale Of New York“ erklingen, diesem bittersüßen Dezember-Song. Es gibt ein Video von Shane MacGowan und seinen Pogues im Duett mit Ella Finer, der Tochter des Pogues-Mitbegründers Jem Finer, oder die wunderbare Version einiger meiner Lieblingsmusiker, nämlich Sarah Jarosz, Chris Thiele von den Punch Brothers und Jeff Tweedy von Wilco. Da kommt Weihnachtsstimmung auf!  

Zutaten:
150 Gramm Butter, 100 Gramm Staubzucker, 200 Gramm Dinkelmehl, 1 Prise Salz, 20 Gramm Kakaopulver, 1 kl. Packung Vanillezucker (ca. 7 Gramm), ein paar Tropfen Orangenöl (oder Abrieb einer halben Bio-Orange), 1 Eigelb, ein Schuss Milch

Post Author: Dan

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