Heja! Ein winterlicher
Ausflug nach Schweden.

Die feinste Weihnachtsmusik, die mir seit langem untergekommen ist, kommt aus Skandinavien. Dazu gibt es einen nordischen Wohlfühl-Snack. Und zur Krönung die legendäre Weihnachts-Episode von Pippi Langstrumpf. Heja Sverige: Was für ein guter Dezember!

Die Skandinavier setzen gemeinhin die Lifestyle-Trends. Wenn man Design-Experten glaubt, hat das schwedische „Lagom“ längst den dänischen Wohlfühl-Trend „Hygge“ abgelöst. „Lagom“ steht für das richtige Maß, für die ausgewogene Balance. Doch für die Erkenntnis, dass es im Leben um die richtige Balance geht, hätte ich keinen Lifestyle-Trendforscher gebraucht. Alter Schwede!

Auch Pippi Langstrumpf scherte sich nicht viel um Lifestyle-Trends. Sie setzte sie einfach, ganz unbewusst. Denn in ihrer Weihnachts-Folge sieht schon alles nach „Lagom“ aus. Wunderbar entschleunigend wirkt das, wie Pippi Lebkuchenteig aussticht, im Schaukelstuhl rastet, ihrem Pferd einen Schal strickt und auf dem Eislaufplatz ihre Runden dreht. Kinder sind ein guter Vorwand, um auch als Erwachsener die alten Pippi-Folgen hervor zu kramen. Da steigt die Vorfreude aufs Fest.

Kein Weihnachtsmenü im Probelokal!
Eigentlich wollte ich Ihnen heute ein festliches Menü für den 24. Dezember vorstellen. Aber als ich mich im Bekanntenkreis umhörte, ob jemand etwas damit anfangen könnte, bekam ich einen Korb: Die Gerichte für den Heiligen Abend stehen überall seit Jahren fest: Fleischfondue, Raclette, Bratwurst mit Sauerkraut, alles längst fix. Die Messer sind gewetzt, das Menü sitzt und die Messen sind gesungen. Da könnte ja jeder kommen! Ein Festmenü aus dem Probelokal wäre also reine Selbstdarstellung – lassen wir das.

So zog ich kleinlaut von dannen und wählte für die heutige Rezeptgeschichte eben einen bekömmlichen Winter-Snack. Der geht als optimales Zwischengericht an den Festtagen durch. Dann können sich Magen und Leber vom fetttriefenden Festessen erholen und die Balance wieder finden. Da ist es wieder: Lagom! Entdeckt habe ich die Grundlage des Rezeptes im Buch namens „Home Made Winter“, das die Köchin Yvette van Boven geschrieben hat.

Kennen Sie den Zungenbrecher ‚der Whiskeymixer mixt Whiskey‘? Ich hingegen mixe die Milch mit den Rote-Bete-Stücken

Ran an die Bete
Erwärmen Sie das Wasser leicht und lösen Sie die Trockenhefe und den Zucker darin auf. Dann erwärmen Sie auch die Milch. Die gekochte und geschälte Rote-Bete-Knolle würfeln Sie grob, um sie anschließend mit der Milch in einem hohen Gefäß mit dem Stabmixer zu pürieren. In einer Rührschüssel vermengen Sie nun das Mehl mit der Milch-Bete-Mischung und gießen das Hefe-Wasser dazu. In einer Pfanne zerlassen Sie die Butter. Gemeinsam mit den Eiern, dem Salz und einer Prise Kümmel rühren Sie die flüssige Butter gut unter den Teig. Decken Sie nun die Rührschüssel ab und warten Sie eine gute Stunde, damit der Teig aufgehen kann.

Christmas With My Friends
Währenddessen widmen Sie sich am besten der stimmungsvollsten Weihnachtsmusik, die mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Natürlich stammt sie aus Schweden, und natürlich sorgt sie für die richtige Balance in den hektischen Adventstagen. Hinter der Musik, die ich Ihnen heute wärmstens empfehle, steckt der schwedische Jazzposaunist Nils Landgren. Im Jahr 2005 gab er mit befreundeten Musikern in einer Stockholmer Kirche ein weihnachtliches Konzert. Das dabei entstandene Album „Christmas With My Friends“ verkaufte sich bestens, und seither veröffentlicht Landgren alle paar Jahre ein weiteres Album der Reihe. Zum Glück!

Denn es ist erstaunlich, welche große Bandbreite an Advents- und Weihnachtsmusik auf einem jazzig anmutenden Album zusammen findet. Ich zweifelte zuerst, ob es wirklich gelingen kann, aus Eigenkompositionen, Stücken von Johann Sebastian Bach, Traditionals, vertonten Psalmen und saisonal passenden Titeln von John Lennon, Abba und sogar Wham! (Sie ahnen, welches Lied!) eine stimmige Klammer zu finden. Doch das ist dank der feinfühligen Art der Interpretation der sieben Künstler/innen gelungen, wie zB bei „A Child Is Born“ zu erleben ist. Dank der Albumreihe, die im Probelokal viele Dezember-Abende untermalt, habe ich weitere musikalische Entdeckungen gemacht. Zum Beispiel bin ich auf die Jazz- und Soulsängerin Ida Sand gestoßen, deren wunderbare Stimme nun auch abseits der Weihnachtstage Stammgast auf meinen Playlists ist.

Allein die Farbe der Pancakes ist eine Attraktion

Zurück an den Herd
Begleitet von feinen Klängen erhitzen Sie eine beschichtete Pfanne, in der Sie ein wenig Butter zerlassen. Pro Pancake setzen Sie zwei Löffel des roten Teigs in die Pfanne. Bald entstehen an der Teigoberfläche kleine Löcher, das ist das Signal fürs Wenden. Sind die Pancakes auf beiden Seiten gut angebraten, können Sie sie warm stellen, bis der ganze Teig gebacken ist. Diese Pancakes, oft auch Blinis genannt, schmecken auch kalt gut. Sogar einfrieren lassen sie sich, zum Beispiel für einen entspannten Brunch in den Weihnachtsferien.

Zu den roten Pancakes passt für Nicht-Vegetarier ein wenig Räucherlachs sehr gut. Den Lachs könnte man natürlich selbst marinieren und räuchern, dazu habe ich momentan aber keine Zeit. Deshalb verschlug es mich zum Fischhändler des Vertrauens. Er hat zum Glück auch Bio-Lachs vorrätig (meine Sorgen über diesen Fisch schilderte ich Ihnen bereits im Juli beim Sommer-Lachs).

Herrlich schmeckt eine Marinade aus Gin und Pesto

Darüber reibe ich jede Menge frischen Kren, dem wohlschmeckendsten Antibiotikum, das ich kenne. Er rieselt wie Schneeflocken über die roten Köstlichkeiten und lässt aufgrund seiner Senföle die Nase rinnen, wie nur Jack Frost das sonst tut. Manche schwören noch auf einen Klecks Crème Frâiche, ich verzichte darauf. Lieber rühre ich mir eine Marinade mit einem Schuss Gin, die ich über den Lachs träufle. Dann fühle ich mich wie ein Schwede, probiere das das Wohlfühl-Gericht und genieße die wieder erlangte Balance! Lagom.

Zutaten für 4 vorweihnachtlich gestimmte Gäste:
1 Päckchen Trockenhefe (7 Gramm), 50 ml Wasser, 1 Teelöffel Zucker, 130 Milliliter Milch, 1 Knolle gekochte und geschälte Rote Bete (ca. 150 bis 200 Gramm), 130 Gramm Mehl, 2 große Eier, 30 Gramm Butter, eine Prise Salz, eine Prise gemahlenen Kümmel, zum Anbraten etwas Rapsöl oder Butter

Geräucherte Lachs-Scheiben, aber auch andere Räucherfische schmecken wunderbar! Dazu frisch geriebener Kren und für die Marinade 2 EL Rapsöl, 1 EL Limettensaft, 1 EL Gin, Salz, Pfeffer und ein Teelöffel Pesto (bei mir war es Brunnenkresse-Pesto), zur Dekoration eine Scheibe Limette

Getränk: Ihr Lieblings-Weißwein

Musik: Album-Reihe „Christmas With My Friends“ von Nils Landgren, Folgen 1 bis 6, Label ACT

DVD: Weihnachten mit Astrid Lindgren – natürlich mit der Folge „Pippi und das Weihnachtsfest“ aus dem Jahr 1968

Buch: „Home Made Winter“ von Yvette van Boven aus dem Jahr 2013, DuMont Verlag

Post Author: Dan

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