Andere schreddern Festplatten. Wir hingegen frischen Knoblauch.

Hier ist ein Basisrezept mit nur zwei Zutaten. Das freut alle, außer Vampire.

So ein Streifzug über den Wochenmarkt kann die Pläne für den Abend ordentlich durcheinander wirbeln. Eigentlich wollte ich mir eine Menge frisches Obst kaufen, Kirschen und Pfirsiche, um mir zum Feierabend einen feinen Obstsalat zu schneiden.

Doch als ich am Stand der Bäuerin meines Vertrauens einen Haufen frisch geernteter Knoblauchknollen entdeckte, warf ich alle Vorhaben über ebendiesen. Ich erkannte das Gebot der Stunde und beschloss, den Abend mit würzigem Knoblauch statt mit süßen Kirschen zu verbringen. Und zwar, um ihn auf bestmögliche Art zu konservieren.

Frischer Knoblauch riecht nicht nach Keller
Frisch geernteten Knoblauch aus der Region gibt es nämlich nicht das ganze Jahr über. Jetzt ist er saftig, reif und ohne grünen Keim. Gelagerter Knoblauch riecht im Winter hingegen wie der Keller eines alten Gemäuers, und ich will mir nicht ausmalen, womit der chinesische Massenknoblauch behandelt wird, damit er bei der langen Reise und beim noch längeren Lagern nicht zu sehr keimt.

Wie meine Recherchen ergaben, werden in China über 22 Millionen Tonnen Knoblauch geerntet. In Österreich sind es laut Wikipedia pro Jahr gerade einmal 1.000 Tonnen. Ein ganzes Kilo davon landete auf dem Wochenmarkt in meiner Tasche. Die Menge reichte aus, um die Blicke anderer Kunden auf mich zu ziehen. Vielleicht waren es Vampire. Die werden sich noch wundern.

Denn bei Einzug der Dämmerung, als die ersten Fledermäuse aus dem Dachboden krochen und vor dem Probelokal ihre Runden zogen, begann ich mit der Verarbeitung der Knollen. Die frischen Knoblauchzehen ließen sich kinderleicht aus der Hülle drücken. Eine meditative Arbeit.

Die Zehen sind aus ihrer Hülle befreit.

Dass Sie dazu ein Album von „Vampire Weekend“ hören könnten, liegt fast zu nahe – aber aufgrund des erfrischenden Sounds der New Yorker Band will ich es trotz des billigen Wortspiels empfehlen. Das aktuelle Album heißt Father Of The Bride und enthält sommerliche Titel wie „This Life“, kann aber – dies sei als Vorwarnung erwähnt – nicht an die starken Vorgänger-Alben anknüpfen.

Knoblauch statt Festplatten schreddern
Als ich das Pensum eines halben Kilos Zehen erreichte, kletterte die Spannung auf ihren Höhepunkt. Denn es ging darum, den Knoblauch klein zu kriegen. Andere schreddern ja Akten und Festplatten. Im Gegensatz zu exregierungsnahen Personen, die in ihrer Message Control offenbar vor nichts zurück schrecken, habe ich glücklicher Weise nichts zu verbergen.

Knoblauchzehen und Olivenöl kurz vor dem Schreddern.

Deshalb begnügte ich mich mit geschredderten Knoblauchzehen. Dazu verwendete ich ein hohes Mixglas. Zu den Zehen goss ich dieselbe Gewichtsmenge an bestem Olivenöl. Der Anblick der vielen runden Zehen im golden schimmernden Öl sah aus wie ein gruseliges Glas mit eingemachten Innereien aus dem Naturmuseum. Oder die Dekoration einer schlechten Halloween-Party.

Das änderte sich rasch. Denn der Mixer verwandelte die Zehen in Sekunden zu einer feinen Paste. Die füllte ich gleich in kleine, zuvor abgekochte Schraubgläser ab. Darüber kam noch ein wenig Olivenöl, bevor ich die Gläser mit dem Deckel schloss. Der Vorrat reicht nun für viele Wochen.

Der Vorrat ist angelegt
Anstatt im Herbst eine Knoblauchzehe zu verwenden, die möglicherweise auch noch nach Keller schmeckt und mehr aus grünem Keim als aus weißer Frucht besteht, verwende ich einfach einen halben Löffel der Paste aus dem Kühlschrank. Das ist praktisch und freut den Gaumen.

Ein Hochgenuss: Pizzabrote mit Knoblauch-Paste, Rosmarin, Salz und Pfeffer.

Am nächsten Tag habe ich mir Pizzabrote gebacken. Und es lag auf der Hand, dass ich sie mit der Paste, ein paar Rosmarin-Nadeln und grobem Salz verfeinerte. Es wird auch nicht lange dauern, bis ich mir die erste Portion Spaghetti aglio e olio (Knoblauch und Öl) rühre. Mit meiner Knoblauch-Paste, einem Extraschuss Olivenöl, gehackter Pfefferoni und grobem Pfeffer. Die Paste wandert außerdem ins Gulasch, in die Marinade des Schweinebratens, ins Salatdressing oder ganz einfach auf geröstetes Weißbrot.

Keine Sorge wegen des Geruchs
Machen Sie sich wegen der Ausdünstungen und des Mundgeruchs keine Sorgen. Wer gemeinsam mit Ihnen von der Knoblauch-Paste isst, wird sich daran nicht stören. Und dass Sie vor einem Bewerbungsgespräch, vor der Trauung oder einer Beichte nicht löffelweise von der Paste stibitzen, sagt Ihnen bestimmt Ihr Hausverstand. Konzentrieren wir uns lieber auf die positiven Eigenschaften!

Und bei so viel gutem Geschmack muss ich die gesundheitlichen Vorzüge des Knoblauchs eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Er wirkt antibakteriell, senkt die Blutfette und hält den Blutdruck in Zaum. Wenn man die Ernährungsbücher durchblättert, bekommt man den Eindruck, dass Knoblauch so ziemlich allen Krankheiten ein Dorn im Auge ist.

Daher kommt wohl die Legende, dass sich dunkle Gestalten – etwa Geister und Vampire – vor dem Knoblauch fürchten. Mein Vorratskühlschrank ist dann jetzt der sicherste Platz der Welt. Dort stapeln sich zehn kleine Gläser mit Knoblauch-Paste. Sie sind wertvoller als Gold. Ob sie aber auch politische Dämonen austreiben, wird sich erst weisen.

Zutaten:
Frische Knoblauchzehen und feinstes Bio-Olivenöl im selben Gewichtsverhältnis – mehr nicht!

Musik:
Album „Father Of The Bride“ von Vampire Weekend, Label Spring Snow, www.vampireweekend.com

Post Author: Dan

4 Replies to “Knoblauch-Paste”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may also like

Pilzgulasch mit Knödeln

Ein Pilzgericht als Herbstgedicht.

Salzburger Nockerln

Viel, viel heiße Luft.

Quartett vom Pfirsich

Das spätsommerliche Pfirsich-Fest.

Hereinspaziert und ausprobiert

Willkommen in Dan’s Probelokal!
Auf dem Menüplan dieses Online-Lokals stehen stets frische Rezeptgeschichten. Als Beilage gibt es musikalische Entdeckungen und kritische Blicke auf unsere Gesellschaft.

Newsletter-Anmeldung
Wer sich für den Newsletter anmeldet, bekommt die Rezeptgeschichten immer vorab, frisch und heiß serviert. Senden Sie einfach eine E-Mail mit Betreff „Newsletter” an dan@probelokal.com. Ihre Adresse wird natürlich nicht weitergegeben. Bis bald!

Aufgewärmt

An dieser Stelle folgt ein saisonaler Rezept-Tipp aus dem letzten Jahr.

Krensuppe

Sie war, ist und bleibt meine Lieblingssuppe des Oktobers: Die Krensuppe. Oder für die deutschen Leser/innen dieser Seite: Die Meerrettich-Suppe. Bereits vor einem Jahr habe ich Ihnen die dazugehörige Rezeptgeschichte vorgestellt. Neben frisch gerissenem Kren braucht es bei der Zubereitung ein Glas kräftigen Muskat-Sylvaners – dann ist das südsteirische Herbstgefühl perfekt!

Zweite Wahl

Im Probelokal werden viele Rezepte ausprobiert. Doch nicht aus jedem wird eine eigene Geschichte. Hier sehen Sie wechselnde Gerichte zweiter Wahl. Diesmal:

Sachertorte mit Mandelnougat-Glasur

Seit ich denken kann, ist die Sachertorte eines meiner Lieblingsgerichte. Das Original-Rezept lagert der Marketing-Überlieferung des Hotels Sacher nach in einem Safe. Kürzlich erlaubte ich mir, mit allen Sacher-Konventionen zu brechen: Ich überzog die Schokoladen-Torte im Probelokal mit einer dicken Schicht Mandelnougat-Glasur. Herrlich war das!

Falls ich Ihnen das Rezept senden soll, dann schreiben Sie mir: dan@probelokal.com. Wenn Sie wollen, dann spenden Sie als Gegenleistung dem Verein „Herzkinder Österreich” gelegentlich ein paar Euro. Das ist kein Muss – aber die können es brauchen!

Folgen Sie Dan’s Probelokal

Facebook
Facebook
Instagram

Kuriositäten-Kabinett

Im Probelokal tauchen immer wieder illustre Gestalten auf, die in dieser Seitenspalte festgehalten werden: Zweibeinige Schwarzwurzeln, gezopfte Karotten oder Kartoffeln mit lustigen Augen.

Dieser Tage wurden gesehen:

Zitrano de Bergerac

Kürzlich kam eine langnasige, säuerliche Zitrone des Weges. Ihr Blick ist schwermütig – vielleicht ahnte sie schon, dass sie kurz nach diesem Foto ausgepresst würde…

Und dann erntete ich wieder einmal eine hochnäsige Cocktail-Tomate, um sie rasch auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Und zwar in die Salatschüssel.

Kurz und gut

Kurz und gut – so heißt eine neue Seitenspalten-Rubrik im Probelokal. Und nein, im Titel verbirgt sich kein politisches Wortspiel! Die Rubrik hat nichts mit dem ehemaligen Bundeskanzler oder gar der Dauer seiner ersten Amtszeit zu tun. Vielmehr handelt es sich tatsächlich um ein kurzes und gutes Rezept. Diesmal:

Banane in Rahmkaramell mit Vanilleeis

30 Gramm Rohrzucker bei mittlerer Temperatur karamellisieren lassen, mit einer Mischung aus jeweils 50 Millilitern Rahm und Milch ablöschen. Einen Teelöffel Stärke (Maizena) in wenig kalter Milch auflösen und ins Karamell einrühren. Mit einem Schuss Stroh-Rum oder Kahlúa und nochmals 60 Milliliter Rahm verfeinern. Zwei Bananen in Scheiben schneiden, im Karamell erwärmen und mit Vanilleeis servieren. Unglaublich, wie gut das schmeckt…

Erinnerungen

Im Juni vor sechs Jahren:
ZEIT-Magazin-Kochwettbewerb

(Foto: Sina Görtz für das ZEIT-Magazin)

Im Juni 2013 bestritten Schwägerin Sonja und ich im Stuttgarter Hotel am Schlossgarten das Finale des ZEIT-Magazin-Kochwettbewerbs. Gerne erinnern wir uns an diese Hitzeschlacht mit Happy End. Leider ist Wolfram Siebeck (ganz links) inzwischen verstorben – seine scharfen kulinarischen Kolumnen werden nicht nur im Probelokal vermisst. Den Bericht vom Kochwettbewerb finden Sie hier.

Rezept-Geschichten

Kurz und gut

Diesmal: Ein Schokoladen-Fondue, das in 5 Minuten auf dem Tisch steht.

Osterhasen-Schlachtpartie
Immer dann, wenn die Schoko-Nikoläuse langsam zur Neige gehen, häufen sich die Osterhasen. Bevor bald wieder die Nikoläuse im Laden stehen, führe ich die Schoko-Hasen zur Schlachtbank. Das ist im Sinne der Kinder, die lieber diese süßen Tiere geschlachtet sehen, als echte Ferkel und Kälber….

Rund 200 Gramm der gehackten Schokolade-Brocken lasse ich in gut 150 Millilitern erwärmtem Rahm schmelzen. Fertig ist das Schokoladen-Fondue! Sollten keine Kinder mitessen, macht sich ein Schuss Frangelico oder Baileys noch gut. Mit einer Gabel tunke ich nun Obstwürfel ein. Das schmeckt nicht nur gut, das sorgt auch für gut getarnte Vitamine. Wie Schafe im Wolfspelz.

Stammtisch-Kommentare