Freshe Früchtchen.

Zum Ferienende habe ich von den Kindern Nachhilfe in Sachen Jugendsprache bekommen. Und ich bin zum Anhänger süß-sauer marinierter Früchte gereift. Freshes Obst gibt es derzeit schließlich wie Sand am Meer. Oder wie leerstehende Kindertrampoline in den Gärten.

Ich hoffe, Sie hatten einen guten Sommer, lieber Gast des Probelokals. Trotz allem. Denn es gibt derzeit ja allerhand Widrigkeiten, die einem zu schaffen machen könnten – Afghanistan, Wetterkapriolen oder die Auswüchse der Identitätspolitik.

Und dann sind da ja noch die leidige Pandemie und deren gesellschaftliches Spaltungspotenzial. Ich habe zwar Verständnis für alle, denen diese zähe Lebensphase auf die Nerven geht. Stelle aber fest, dass meine Geduld für Extremisten deutlich nachlässt. Diese laute Minderheit flutet derzeit die sozialen Medien und sorgt auch noch dafür, dass der ganze Spuk in die Länge gezogen wird.

Nervige Eiferer
Manch Eiferer denkt schon ans Auswandern, vermutet hinter der Pandemie eine Verschwörung und wittert gar die westliche Diktatur. Aber was ist unsere komfortable Freiheit und der unfassbare Wohlstand im Vergleich zu anderen Teilen dieser Welt? Nicht nur die Menschen rund um den Kabuler Flughafen würden wohl gerne mit uns Europäern tauschen.

Viele Gespräche mit eigentlich netten Leuten verknoten sich derzeit, denn Corona schleicht sich irgendwie in jede Unterhaltung. Eine Erkenntnis zum Ferienende: Man kann das Thema auch einmal bewusst ausklammern und stattdessen über etwas anderes sprechen. Vielleicht über etwas, das verbindet. Und sei es nur der folgende Obstsalat und feine Musik. Das rettet so manchen Abend!  

Jetzt schmeckt das frisch geerntete Obst einfach am besten.

Musik auf dem Dach
Diesen Sommer habe ich die Musik der New Yorker Band „Bleachers“ entdeckt. Auf ihrem Album „Take The Sadness Out Of Saturday Night“ stecken herrlich-melancholische Titel wie „45“ oder „Chinatown“, in den mit Bruce Springsteen sogar der Boss höchstpersönlich einstimmt.

Das Album ist brandneu und trifft die Stimmung dieses Jahres, erinnert mich aber an den Sound der 80er, an Ultravox, The Cure oder Joy Division. Aufgenommen wurden die verlinkten Videos übrigens auf den Dächern des Studios „Electric Lady“, das 1970 von Jimmy Hendrix in Greenwich Village gegründet wurde. Eine bessere Location für spätsommerliche Musik ist nicht vorstellbar.

Nachhilfe in Sachen Jugendsprache
Zum Ferienende habe ich nicht nur neue Musik entdeckt. Sondern auch die Jugendsprache. Die Kinder haben mir in den Ferien entsprechende Nachhilfe gegeben. „Fresh“ ist etwa das neue „cool“. Das finde ich durchaus erfrischend. Und dank meiner Tochter weiß ich nun auch, was es heißt, wenn etwas so richtig „bockt“ oder „stabil“ ist. Nämlich alles andere als „lost“.

Ich muss aber aufpassen, diese Vokabeln nicht in meinen Wortschatz aufzunehmen, denn aus dem Munde eines Erwachsenen klänge das einfach nur „crincy“. Und diese neue Art des Fremdschämens will der Papa der jungen Dame keinesfalls antun. Er ist ja sonst schon oft genug ein „Alman“, wie Spießer mittlerweile genannt werden.

Am besten genießt man das Sorbet und den Obstsalat in der spätsommerlichen Natur.

Alman macht Obstsalat
Allein schon, wenn er wieder Obst schneidet und den gesunden Snack als kulinarischen Höhepunkt anpreist. Doch dieses Rezept holt wirklich die feinsten Aromen aus den freshen Früchten. Und wenn ich der jungen Veggie-Dame dann auch noch eine Kugel Zitronen-Sorbet obenauf setze, dann lässt es sich mit einem Alman-Papa durchaus komfortabel leben.

Zunächst brauche ich also einen ganzen Korb voller Obst. Und wer dieser Tage mit offenen Augen durch die spätsommerlichen Straßen zieht, entdeckt in den Gärten nicht nur unzählige (meist leerstehende) Kindertrampoline. Weiß der Teufel, wo die plötzlich alle herkommen. Sondern man entdeckt auch jede Menge reifer Äpfel, Birnen oder Beeren. Sie bescheren uns ein süß-saures Ferienende.  

Die Brombeeren aus dem elterlichen Garten haben ein fantastisches Aroma – vor allem, wenn sie an Sonnentagen geerntet werden.

Zuerst das Eis
Für das Sorbet, das am Ende den Obstsalat krönen wird, reibe ich die äußerste Schale der Zitronen fein ab. Dann erwärme ich die Zesten mit Zitronensaft, Zucker und Wasser vorsichtig, bis sich der Zucker auflöst.

Ist die Masse eine Weile ausgekühlt, lasse ich sie im Kühlschrank für ein paar Stunden ziehen, bevor ich sie in der Eismaschine vollende (oder sie alternativ in einer flachen Schale im Tiefkühler unter gelegentlichem Umrühren gefrieren lasse).

Das Sorbet genießt die Kälte der Eismaschine.

Für die Marinade reibe ich die Limetten- und Orangenschalen ab und presse die Früchte aus. Die Schale und den Saft lasse ich mit den anderen Zutaten leise köcheln und auskühlen.

Dann ist das Obst an der Reihe – es wird gewaschen und klein geschnitten. Darüber siebe ich die Marinade, die ich vorsichtig unter den Obstsalat hebe, ohne die Früchte zu zerquetschen. Gemeinsam mit dem Sorbet wird nun angerichtet.

Übrigens: Die oben erwähnten Bleachers aus New York haben nicht nur melancholische Lieder im Repertoire. Gönnen Sie sich an einem sonnigen Spätsommertag doch den mitreißenden Titel „Stop Making This Hurt“. Am besten, wenn Sie gerade das Obst schneiden. Aber Vorsicht: Dabei kann es passieren, dass man plötzlich gut gelaunt mit dem Obstmesser durch die Wohnung tänzelt. Denn das bockt voll!

Zutaten:
Ein Kilogramm frisches Obst aus der Gegend – etwa reife Äpfel, Birnen und Pfirsiche, dazu ein paar Beeren.

Dazu für die Marinade 2 Limetten, 1 Orange, 50 Gramm Honig, 1 Teelöffel Vanillezucker, 1 Sternanis und 1 Nelke

Und für das Sorbet 3-4 Zitronen (Sie brauchen die abgeriebene Schale sowie 150 Milliliter Saft), 150 Gramm Kristallzucker und 350 Milliliter Wasser.

Musik:
Album „Take The Sadness Out Of Saturday Night“ von den Bleachers aus dem Jahr 2021, RCA Records

Post Author: Dan

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